Medizinische Kompressionsstrümpfe
Wenn deutliche Beschwerden vorliegen, sollte unbedingt eine
ärztliche
Untersuchung durchgeführt werden. Nur der Arzt kann durch eine
genaue Untersuchung sowohl der oberflächlichen wie der in den Muskeln verborgenen
tiefen Venen entscheiden, ob eine verstärkte Kompression wirklich die langfristig
richtige Behandlung darstellt.
Unter Umständen ist eine Operation die bessere Entscheidung. In diesem
Fall sollte sorgfältig bedacht werden, ob man durch langjähriges
Tragen der Strümpfe nicht nur eine sinnlose Belastung auf sich nimmt,
sondern vielleicht das Problem, z.B. Krampfadern sich trotz Kompressionsstrümpfen
über die Jahre verschlechtert und dann später nicht mehr optimal
behandelt werden kann.
Genauso wie die Stützstrümpfe sind auch die medizinischen Kompressionsstrümpfe
heutzutage keine hässlichen klobigen Ummantelungen der Beine mehr. Durch
die Einführung der Mikrofasern haben sie die Optik von blickdichten
normalen Strumpfhosen, sind luftdurchlässig, schmiegen sich dem Bein
fein an und sind komfortabel zu tragen. Die Belastung durch die Strümpfe
beschränkt sich weitgehend auf das morgendliche Anziehen, das bei einiger
Übung aber auch kein Problem darstellt. Zudem bietet die Industrie verschiedenen
Anziehhilfen (s. u.) , die die Prozedur ganz wesentlich vereinfachen.
Aufgaben des Kompressionstrumpfes
- Am frühen morgen vor dem Aufstehen oder nach der Hygiene angezogen
kann der Strumpf eine stärkere Schwellneigung über einen Teil
des Tages oder über den ganzen Tag verhindern. Rückbilden kann
der Strumpf Schwellungen nur bedingt. Hierzu ist die Bandagierung, eventuell
ergänzt durch Manuelle Lymphdrainage meistens erforderlich.
- Durch den Druck auf die oberflächlichen und die tiefen Venen wird
der Venendurchmesser verengt. Das Blut fließt in den Venen schneller.
Ein schnell fließendes Blut stockt = gerinnt weniger leicht als ein
langsam oder kaum fließendes Blut. In diesem Sinn kann oberflächlichen
Venenentzündungen und tiefen Venenthrombosen vorgebeugt werden.
- Der Ausdehnung von Krampfadern kann der Gummistrumpf zum Teil entgegenwirken.
4 Kompressionsklassen
mit verschiedenen Anlagedrucken gewährleisten eine differenzierte Versorgung
bei leichten bis stärksten Beschwerden:
- Die Kompressionsklasse I
bietet eine Anlagedruck von 18 bis 21 mm Hg oberhalb der Knöchel. Sie
ist angebracht bei leichteren Schwellungen, schweren, müden Beinen,
beginnenden Krampfadern ohne Hautveränderungen.
- Die Kompressionsklasse II
gewährleistet einen Druck von 25 bis 35 mm Hg oberhalb des
Knöchelbereichs. Diese Strümpfe werden verordnet bei deutlichen
Krampfadern mit Hautverhärtungen und – pigmentierungen, nach
der Abheilung eines Geschwürs, nach Venenentzündungen und Thrombosen,
nach Verödungen oder Operationen.
- Die Kompressionsklasse III
hat einen Anlagedruck von 36 bis 46 mm Hg im Bereich der Fessel.
Diese Strümpfe werden verordnet, wenn die Kompressionsklasse II nicht
ausreicht für Beschwerdefreiheit, besonders bei langjährigen hochgradigen
Leiden. Auch bei starken Lymphödemen ist die Kompressionsklasse III
angebracht.
- Die Kompressionsklasse IV
übt einen Duck von 59 mm Hg oberhalb der Knöchel aus.
Sie ist allerdings so fest, dass die Strümpfe nur sehr schwer anzuziehen
sind.
Praktischer Hinweis:
Gummistrümpfe der Klassen III und iV sind sehr schwer anzuziehen. Den Kompressionsdruck
der Klasse III erreichen wir durch das Übereinanderziehen von 2 Strümpfen
je der Klasse I und der Klasse II. Die Klasse IV erreichen wir durch 2 Strümpfe
der Klasse II. Dies hat nicht nur den Vorteil, dass die Strümpfe wesentlich
leichter angezogen werden können, sondern auch einer größeren
Flexibilität im Verlauf des Tages. So kann der Patient morgens beide Strümpfe
anziehen. Wenn das Bein am Nachmittag unter den Strümpfen zu spannen beginnt,
kann der 2. Strumpf ausgezogen werden und es bleibt immer noch der Druck eines
Strumpfes erhalten.
Wie erhalte ich meine Kompressionsstrümpfe?
Da Kompressionsstrümpfe Teil eines ärztlichen Behandlungsplanes sind,
sollten sie nach Untersuchung vom Arzt verordnet werden. Kompressionsstrümpfe
sollten am
entstauten Bein angemessen werden. Das bedeutet,
dass oft vorher eine Bandagierung, eventuell unterstützt durch abschwellende
Medikamente, notwendig sein kann. Um den gewünschten Anlagedruck am Bein
zu erreichen, muss der Apotheker oder Bandagist die
Beinumfänge
messen.
Dann kann entweder ein Konfektionsstrumpf mit den richtigen
Beinmaßen aus der Palette der verschiedenen Hersteller gewählt
werden oder gelegentlich ist ein Maßstrumpf erforderlich,
der bestellt und individuell hergestellt wird.
Die Anziehtechnik
Zu den Aufgaben des Verkäufers gehört es, den Kunden in der optimalen
Anziehtechnik einzuschulen. Die verschiedenen Hersteller bieten zusätzlich
diverse technische
Anziehhilfen. Erkundigen Sie sich diesbezüglich,
besonders wenn ein orthopädisches Leiden an Armen, Wirbelsäule, Hüften
oder Knie Ihnen das Anziehen des Strumpfes weiter erschwert.
Gummihaushaltshandschuhe
erleichtern das Anziehen der Strümpfe ganz wesentlich, weil sie einen optimalen
Griff gewährleisten, Weiters verhindern sie, dass die Srümpfe duch
die Fingernägel beschädigt werden.
Gummikompressionsstrümpfe verlieren im Verlauf von Monaten einen Teil
Ihrer Elastizität und müssen rechtzeitig ausgetauscht werden. Die
österreichischen Krankenkassen ermöglichen alle 6 Monate eine Kassenverordnung.